Brillant ausgetüftelter Melodic Metal mit Iced-Earth-Sänger Matt Barlow
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(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Immortal (Ltd.ed.) (Audio CD) Ihr drittes Album "Immortal" könnte den Jungs von Pyramaze endlich die verdiente Aufmerksam bringen. Denn Bandchef und Gitarrist Michael Kammeyer hat es gepackt, Matt Barlow für sich zu gewinnen. Der frühere Sänger von Iced Earth - der zweite Ami in der ansonsten dänisch besetzten Band neben Keyboarder Jonah Weingarten - kehrt damit nach einiger Auszeit ins Metalgeschäft zurück. Schon während der Aufnahmen zu Immortal wurde aber klar, dass der Abstecher ein kurzer sein würde: Barlow folgte Jon Schaffers Ruf zurück zu seiner alten Band.

Schade für Pyramaze, denn nicht zuletzt durch Barlows Zutun wird Immortal zu einem ganz erstaunlichen Metal-Meisterstück! Von düsteren Shouts bis hin zu klaren, hohen Screams - diese wandelbare Stimme ist eine Ausnahmeerscheinung und wird in mehrstimmigen Arrangements (bis hin zu einem Kanon!) auch noch ganz schön aufwändig in Szene gesetzt. Dabei waren die vergangenen Alben mit dem klar und hoch singenden Lance King, dem Ex-Frontmann von Balance of Power, bereits große Klasse...

Abgesehen vom gänzlich anders klingenden Gesang macht "Immortal" aber gar nicht viel anders. Pyramaze spielen einen fesselnden Mix aus Melodic Metal, Speed, und Prog Metal - sie sind unheimlich schwer festzunageln, und das macht die Musik so spannend. Matt Barlow bringt zusätzlich das Prädikat Power Metal mit - Pyramaze sind um düstere, aggressivere Metalparts im Stile von Symphony X oder Evergrey reicher geworden. Epic Metal verkörpern sie irgendwie auch. Denn in jedem noch so straighten Song steckt ein episches Break; oder er wird wie "Year Of The Phoenix" um ein dramatisches Soloduell von Gitarre und Keyboard verlängert.

Besonders ausgeprägt bei Pyramaze ist die Detailverliebtheit. Zum Beispiel in Sachen Rhythmik. Selbst die ganz eingängigen Stücke sind zwar nicht 'proggig' komplex, glänzen aber innerhalb übersichtlicher Zählzeiten durch eine ungeheure Abwechslung. Alle paar Takte steht bei Rhythmusgitarre, Drums und Bass ein Wechsel an. Unterschiedliche Akzentuierungen, Triolen, zahllose Variierungen sogar in den Doublebass-Passagen kreieren eine packende Dynamik ohne Langeweile.

Auch die Melodien auf Immortal sind nicht nur wunderschön, ohne kitschig zu wirken. Sie werden in den Refrains auch noch regelrecht inszeniert. Beispiel "Ghost Light": da singt Matt Barlow diesen hochmelodischen, fast lyrischen und schnellen Chorus in bester Angra-Manier. Dazu kommen die großflächig eingesetzten orchestralen Streicher-Keyboards, die statt bloßer Teppich-Funktion viel Eigendynamik haben. Dann setzt auch auch noch die Lead Gitarre ein und umspielt die Gesangsmelodie. Das sind dann schon drei Melodien, die zur gleichen Zeit übereinander zu hören sind, sich genial ergänzen und für betörend intensive Atmosphären sorgen.

Eines von vielen Highlight ist auch "Touched By The Mara" mit seinen atemberaubenden Wechseln zwischen wuchtigem Powermetal und balladenhaften, schwebenden Abschnitten inklusive verschiedener Rhythmen. Auch "A Beautiful Death" punktet mit krassen (Tempo-)Gegensätzen, und das auf engstem Raum. Der Refrain besteht aus aggressiven Doublebass-Strecken, die jäh gebremst werden - ein Metal-Kracher mit Gänsehautgarantie! Zwei Songs fallen etwas aus dem Rahmen: die wehmütige Klavier- und Streicherballade "Legacy In A Rhyme", bei der Matt Barlow ganz viel Gefühl zeigt, sowie die schottisch-angehauchte Powerhymne "The Highland" mit Männerchor, die hohen Mitsingwert hat, ohne platt zu wirken.

Jeder der acht Songs (#1 und #10 sind Intro bzw. Abspann) ist ein kleines Kunstwerk, und das trotz 'normaler' Längen zwischen 4 und 6 Minuten. Pyramaze sind melodisch und episch und bombastisch und progressiv, aber viel mehr als nur die Summe alldessen. Am meisten dürften sich Fans von Kamelot angesprochen fühlen - Pyramaze sind ähnlich detailverliebt und nutzen ebenfalls alle sich bietenden Klangräume nahezu perfekt aus, ohne zu überbieten. Die Orchestrierungen dienen auch ihnen nicht als Weichspüler - so manche Riffs und Drives könnten glatt von Iron Maiden sein.

Immortal lässt keine Wünsche offen - höchstens den nach einer längeren Spielzeit als der dürftigen dreiviertel Stunde. Dafür vergeudet kein Song auch nur einen Takt lang Raum für gute Ideen. Selbst die Strophen sind an Dramatik und Spannung kaum zu überbieten, wie bei Queensryche in ihren besten Tagen. Im Rennen um das Melodic-Metal-Album des Jahres 2008 wird diese Scheibe von einem aussichtsreichen Startplatz ins Rennen gehen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 26. Mai 2008
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